Lernen und ADHS

 

Kinder mit ADHS-Problemverhalten stellen eine extreme Herausforderung für die Lehrer und Eltern dar.

Die Problemverhaltensweisen zeigen sich vor allem in den folgenden Hauptbereichen:

  • Aufmerksamkeitsdefizit (erhöhte Ablenkbarkeit, kurze Aufmerksamkeitsdauer, scheint nicht zuzuhören, oberflächlicher Wahrnehmungs- und Bearbeitungsstil, keine Ausdauer, vergisst Dinge, Angefangenes zu Ende bringen fällt schwer,….).
  • Impulsivität (eingeschränkte Steuerungsfähigkeit der Bewegungsimpulse, unüberlegtes Handeln, können nicht abwarten, handeln ohne zu überlegen,mangelnde Frustrationstoleranz, unorganisiert, stimmungswechselhaft,….)
  • Hyperaktivität (zappeln ständig, rastlos, können sich nur schwer ruhig halten, immer in Bewegung,…..)

90 % von ADHS-betroffene Kinder bleiben in ihrer schulischen Entwicklung unter ihren intellektuellen Möglichkeiten.

80% (27% Nicht-ADHS) wiederholen im Laufe ihrer Schullaufbahn mindestens einmal eine Klasse.

30% (versus 10%) werden auf einer Förderschule beschult.

40% (versus 6%) verlassen die Schule ohne Schulabschluss.

30% (versus 6%) entwickeln bereits in den ersten Jahren massivste Schulprobleme.

ADHS-Kinder erfahren viel seltener Akzeptanz in der Beliebtheitsskala mit Gleichaltrigen.

Trotz regelmäßiger Bemühungen bleiben schulische Erfolge aus. ADHS-Kinder erfahren schon früh überwiegend negative Rückmeldungen von erwachsenen Bezugspersonen. Dies führt zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Selbstbildes, zu mangelndem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und entsprechend zu Motivationslosigkeit und Misserfolgserwartung bis hin zur Verweigerungshaltung oder gar depressivem Rückzug. Ein Teufelskreis beginnt. Eltern und Lehrer versuchen den Kindern durch unermüdliches und geduldiges Üben zu helfen. Oft fühlen sie sich überfordert, weil die Hilfe nicht zu den erhofften Erfolgserlebnissen führt.

Was brauchen Kinder mit ADS/ADHS, um besser lernen zu können?

  1. ADHS ist eine Selbstregulationsstörung: ADHS-Kinder benötigen im Besonderen die Fremdregulation (Strukturen, Rituale, welche die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Lernen regulieren).
  2. ADHS ist eine Anpassungsstörung: Wie kann das Umfeld an das ADHS-Kind angepasst werden? Bsp. aus dem Schulalltag sind zum Beispiel Freiarbeit, Wochenplanarbeit nur mit helfendem, strukturierendem Begleiten. Kleinschrittiges, strukturierendes Vorgehen und die Kontrolle und Verstärkung der einzelnen Arbeitsschritte. Aufgaben mit positivem Anreizwert, angepasst an die Lernvoraussetzungen der ADHS-Kinder. Überwindung von Problemfeldern, Lernlücken durch regelmäßiges und vertiefendes Wiederholen von Lerninhalten. Sie brauchen die 8-28 fache Zeit der Wiederholung, um Lerninhalte im Langzeitspeicher abspeichern zu können. Lernziele sollten für ADHS-Kinder systematisch, nachvollziehbar und alltagsrelevant sein. Alles, was positiv belegt werden kann, macht Lernen möglich.
  3. ADHS führt zu Selbstbild- und Selbstwirksamkeitsstörungen: Positive Rückmeldung, Lob, nicht nur für gute Ergebnisse, sondern auch für die individuelle Anstrengungsbereitschaft. Das Selbstvertrauen stärken durch individualisierte Hilfestellung, Hilfen aufzeigen und Zuversicht vermitteln. Wertschätzende Beziehung zum Kind, Einfühlungsvermögen und Geduld vermitteln, angstfreie Lernatmosphäre schaffen. Ermutigen statt entmutigen.

Die Kooperation von Schule-Elternhaus-Therapeut ist ein extrem wichtiger Baustein, um im Teufelskreis einer Lernstörung ein individuelles Lösungskonzept zu entwickeln, um eine positive Lernstruktur zu etablieren.

Pädagogischer Leitsatz:

„Nicht das ADHS ist das Problem, sondern wie wir damit umgehen!“

Informationen entnommen aus „ADHS: impulsiv und unaufmerksam- Lehrer und Pädagogen ohne Chance?“; Dr.h.c. Hans Biegert

Interessanter Beitrag dazu in der Zeitschrift “ELTERN family”:

Nervig? Verhaltensoriginell